Haben Sie es auch schon probiert? Mit KI-Tools wie Gamma in wenigen Minuten eine visuell ansprechende Powerpoint einem Thema der nächsten Konferenz erstellt? Oder mit den Vorlagen von Canva ihre Folien auf spielerische Weise perfekt durchdesignt aussehen lassen? Visuell ansprechende Ergebnisse sind jedenfalls garantiert – mehr nicht?

Hier investieren Besprechungsleiter:innen häufig Mühe und gleichzeitig hat die visuelle Perfektion einer Visualisierung kaum Einfluss auf das Erreichen der Ziele, die wir mit einer Besprechung oder Konferenz verbinden. Schließlich geht es uns um

K wie Konzentration der Teilnehmer:innen auf das Thema und den Inhalt

A wie Automatisches Verstehen, also eine visuelle Hilfe, die die auditive Ebene begleitet

R wie Revision, denn was wieder veränderbar und neu gestaltbar wirkt ist anschlussfähiger als Fertiges

M wie Merkbar: Entscheidend ist nicht die Präsentation, sondern was die Kolleg:innen davon hinterher behalten

E wie Eingebunden: Idealerweise denken die Zuhörenden mit, wirken gedanklich mit, folgen auch innerlich.

N wie Nahbar: Unsere Visualisierungen sollen Nähe zum Thema herstellen

Die mit dem Akronym KARMEN verbundenen Vorstellungen werden in der Regel von den besonders „hübschen“ Folien-Designern nicht erfüllt. Dabei haben sie natürlich trotzdem ihre Berechtigung, wenn man sich auf das Akronym KAMMV konzentrieren mag: Konzentration, Automatisches Verstehen, Merkbarkeit und Mediale Vielfalt nebst Vorbereitung können gute Folien-Präsentationen leisten.

Ohne weitere methodische Kniffe während der Präsentation werden die Beprechungs-Teilnehmenden allerdings so in eine Konsum-Haltung gebracht. Es fehlt eben das Unfertige, Vorläufige, Prozesshafte, das den Geist anspricht und zur inneren Beteiligung einlädt und die Distanz zwischen Besprechungsleitung und Teilnehmenden verringert. Die Haltung entscheidet: Lehnen sich die Teilnehmenden zurück, gehen sie innerlich auf Distanz zu einem scheinbar schon fertigen Projekt oder sind sie wache kritische Geister, die mitwirken?

Was also tun? Sie können einen Stift in die Hand nehmen und digital oder auch ganz analog auf Flipchart oder Tablet eine Skizze entstehen lassen. Dass Sie keine Übung im Zeichnen haben, ist völlig nebensächlich, im Gegenteil: Im Zweifel macht es sie sympathisch und nahbar. Die folgenden vorgeschlagenen Skizzen sind so einfach, dass die einzige Voraussetzung ist einen Stift halten zu können.

Die Teilnehmenden werden auf diese Weise KARMEN erleben, aber nicht perfekt als Bühnenwerk sondern einfach, nahbar, ehrlich, klar und prozesshaft: Wie es einer Kultur aktivierender Besprechungen entspricht und ohne dass die Teilnehmenden in ein Folien-KOMA fallen. Dabei steht dieses Akronym wiederum dafür, was man alles nicht machen sollte: Weder auf Folien noch in Skizzen: Nämlich Kompliziert, Oberflächlich, Manipulativ und voller Ambigiuität/Mehrdeutigkeit.

Beispiel: 10:10:10-Kreise

Beispiel „10-10-10 Kreise“

Entscheidungen auf in der Zukunft liegende Konsequenzen prüfen

Diese einfachen drei Kreise lassen sich in einer Besprechung aufmalen, wenn man sich nicht sicher ist, welche positiven und negativen Auswirkungen eine Entscheidung langfristig haben wird. Hier ist das Beispiel genannt, ob die Bewerbung für ein schulisches Gütesiegel erfolgen soll. Hier können sich kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen ganz erheblich unterscheiden, wie das Beispiel zeigt. Diese Skizze oben sieht eigentlich schon wieder zu perfekt aus im Vergleich zu einer in einer echten Besprechung entstehenden Skizze. Leider lässt sich an dieser Stelle nicht demonstrieren, wie die Skizze im gemeinsamen Gespräch mit Anderen entsteht.

Das dürfen Sie aber gerne selbst ausprobieren, nämlich mit dieser Anleitung

Schreiben Sie ganz links die (mögliche) Entscheidung in einen Kreis

Schreiben Sie in den zweite Kreis die ganz kurzfristigen und unmittelbaren Folgen dieser Entscheidung: oben positiv, unten negativ

Schreiben Sie in den dritten Kreis die mittelfristigen Folgen nach 10 Tagen

Schreiben Sie in den vierten Kreis die langfristigen Folgen in 10 Monaten

Analysieren Sie das Ergebnis: Lohnen einige kurzfristige Folgen eine langfristig schwerwiegende negative Folge? Erscheint es lohnend für ein langfristig positives Ergebnis kurz- und mittelfristige Nachteile in Kauf zu nehmen?


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