Nach einem intensiven Tag mit dem letzten Qualifikationskurs: Warmer Frühlingssonnenschein und blökende Schafe in den Streuobstwiesen am Bonner Petersberg. Die Schiffe tuckern im Tal, es riecht leicht streng nach: Schaf. Aber wo sind die nur? Beim Spazierengehen kommt zuerst ein weißer Kastenwagen mit dem Logo: „Sheepness – Schafe hüten für Teams und Führungskräfte“ in den Blick. Zu gerne hätte ich mit mit dem Besitzer dieses Fahrzeugs gesprochen: Warum sitzen wir mit unseren Teilnehmern in einem Tagungshaus, wenn wir auch draußen Schafe hüten könnten? Und kommt eigentlich Lammfleisch auf den Grill, der hinter dem Wagen von einer Catering-Mitarbeiterin schon angeheizt wird?
Derart neugierig folge ich dem Geräusch bergab durch einen Hohlweg und treffe endlich auf eine laut blökende Herde Schafe und einige Hipster, die die Tiere winkend, einander zurufend und gestikulierend in Aufregung versetzen. Ein Mensch mit Hund schaut zu. Der Trainer? Der Schäfer? Beides? Erst am Abend beim Rheinwein auf der Terrasse des Hotels sehr ich die Gruppe wieder Richtung Parkplatz schlendern, diesmal ohne Schafe, aber genauso müde wie unsere Teilnehmer oben im Hotel.
„Die Führung einer Schafherde weist viele Parallelen zum Alltag einer Führungskraft auf“ – heißt es auf der Website, die ich abends per Google-Suche ansteuere. Aha. Vielleicht wenig schmeichelhaft als Analogie für unser Kollegium. Aber ja, auch wenn ein Lehrkörper durch unklare und widersprüchliche Angaben über Ziele in Aufregung versetzt wird, geht das nicht geräuschlos vor sich. Außerdem wird dann die Kommunikation umso schwerer, weil die Nachbesserungen in der entstehenden Aufregung schwerer durchdringen.
Und wie beim Hüten der Schafe geht es um Zusammenarbeit im Team der Führungskräfte. Gemeinsame Ziele, gute Kommunikation, Klarheit in der Kommunikation und Haltung sind erfolgversprechender als das große Durcheinander. Erweiterte Schulleitungsteams können sich beim gemeinsamen Schafehüten sicher besser kennenlernen und erkennen, wo Kommunikation und Vertrauen noch weiterentwickelt werden kann.
Nein, ich bin nicht vollständig überzeugt. Denn wer ist eigentlich der (Schul)Hund? Kommt es auf den nicht wesentlich an? Und ist es nicht so, dass die Schafe tatsächlich instinktiv handeln und sich dann der Gruppendynamik entsprechend verhalten? Und auch, wenn es Gruppendynamiken in jedem Kollegium gibt: Wollen wir nicht eigentlich das Gegenteil erreichen, nämlich den Lehrkräften mehr und nicht weniger Entscheidungsfreiheit geben und ihnen mehr und nicht weniger Verantwortung zumuten, damit sich alle gerne und mit eigenen Ideen für die Bildung unserer Kinder engagieren?
Schaut man sich weiter um, ist es ja nicht das einzige Management-Training mit Tieren. Wandern mit Eseln ist auch beliebt: Die gehen nur, wenn sie sich sicher fühlen. Wandern mit Lamas ebenso, wenn man es langweiliger mag. Warum nicht gemeinsam Angeln? Oder Wale retten?
Das Training mit den Schafen würde ich trotzdem gerne einmal ausprobieren: Teams in eine ganz neue herausfordernde und leicht skurrile Situation zu bringen, bietet die Möglichkeit verdeckte Konflikte und unentdeckte Potenziale freizulegen. Sheepness-Erfinder Erwin Germscheid verfügt über genügend Ausbildung und Erfahrung, um das hinzubekommen: Mit und ohne Schafe: https://schafehueten.com/


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