In der Ausbildung von Schulleiterinnen und Schulleitern in Deutschland wird die Lehrerkonferenz als Schwerpunkt und Beispiel der Arbeit mit schulischen Gremien thematisiert. Das ist irreführend und zementiert die vorhandenen Blockaden und Beharrungstendenzen im Bildungssystem – so kann der Wandel zur Schule von morgen nicht gelingen.
Was ist die Lehrerkonferenz?
Zur Lehrerkonferenz gehören alle pädagogischen Mitarbeiter:innen der Schule. Sie berät über alle wichtigen Angelegenheiten der Schule und entscheidet über diejenigen Sachverhalte, die nur diese Mitarbeiter:innen oder vornehmlich diese Mitarbeiter:innen angeht. Das sind beispielsweise Grundsätze zur Stundenplangestaltung, Umgang mit Teilzeitmodellen, Grundsätze für die Entscheidung über Fortbildungsteilnahmen, Grundsätze zur Verteilung von Sonderaufgaben etc.
Was ist die Lehrerkonferenz nicht?
Die Lehrerkonferenz entscheidet nicht diejenigen Fragen, die neben den Lehrkräften selbst auch wesentlich die Schüler:innen, Eltern oder den Schulträger betreffen. Die meisten pädagogische Fragestellungen wie die Erprobung neuer Formen des Lehrens und Lernens, Umgang mit Lernräumen und deren Einrichtung, Fragen der Digitalisierung des Unterrichts, Rhythmisierung des Schultages etc. gehören dazu. Diese werden in Deutschland in der Regel in demjenigen Gremium behandelt, wo sowohl Lehrkräfte, als auch Eltern und Schüler:innen vertreten sind – zumeist in der „Schulkonferenz“.
Was bedeutet die Fokussierung auf die Lehrerkonferenz in der Ausbildung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter?
Sie zementiert den in vielen Schulen verbreiteten Glaubenssatz, dass die Lehrerkonferenz im Wesentlichen über alle Fragen entscheidet, an denen Lehrkräfte beteiligt sind und dass Schüler:innen und Eltern erst nachrangig beteiligt werden. Künftige Schulleiter:innen verlieren die Bedeutung anderer formeller und informeller Beratungsstrukturen aus dem Blick, obwohl diese für eine gelingende Schulentwicklung von entscheidender Bedeutung sind. Diese sind: feste thematische Teams, in denen auch Eltern und Schüler arbeiten, z.B. zum Thema „Medien“, „Schutzkonzept“, „Sprachenfolge“,„Fahrtenprogramm“- je nach Entwicklungsvorhaben der Schule – auch die Schulkonferenz als dasjenige Gremium, in dem alle Perspektiven zusammenkommen.
Was können Lehrerkonferenzen trotzdem leisten?
- Sie sind eine Bühne – Es kann gezielt gesteuert werden, wer bei welchem Stück einen Auftritt haben kann/soll/muss. Ein Einpersonen-Stück ist selten spannend.
- Sie eignen sich für Broadcasts, Project Pitches und Sense-Making, die Atmosphäre schaffen und Emotionen wecken sollen
- Sie sind eine Gelegenheit für Workshops, bei denen alle beteiligt sind – auch die, die sonst wenig Initiative zeigen
- Sie sind ein Messinstrument der Schulleitung für die aktuelle Atmosphäre im Kollegium.
- Sie sind KEIN Ort für komplexe oder komplizierte Sachanalysen und –diskussionen.
Was sollten künftige Schulleiter:innen stattdessen stärker in der Ausbildung fokussieren?
Zunächst Ihre eigene Rolle: Schulleitende müssen sich von der ehemaligen Rolle der Lehrkraft lösen, damit sie Schulentwicklung aus der Perspektive aller am Schulleben beteiligten Personen unterstützen können.
Dann die Arbeit mit multiperspektivisch besetzten Teams: Ertüchtigung bestehender Gruppierungen dahingehend, dass die Perspektive von Eltern und Schüler:innen nicht nur schmückendes Beiwerk ist. Organisation der Schulkonferenz als Arbeits-, Diskussionsgremium und nicht nur als letzte Entscheidungsinstanz.


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