Der Megatrend KI trifft auf den Megatrend demografischen Wandel: Ersetzt KI also künftig fehlende Lehrkräfte? Kann man ein Lehramtsstudium heute überhaupt noch empfehlen?
Der Trend in der Wirtschaft ist schon klar
Sarah Huemer hat in der F.A.S. vom 09.August 2026 ausgeführt, wie KI die Entwicklung des Personals beim Allianz-Konzern beeinflusst. Tausende Stellen werden dort abgebaut, parallel zur Einführung der Chatbots „Brian, Nadja und Eric“. Diese arbeiten durchaus nicht im Call-Center, wie man meinen würde. Nadja beispielsweise schult Führungskräfte im Umgang mit schwierigen Situationen und Konflikten im Team – ganz umsonst und ohne Coaching-Stundensatz. (Sarah Huemer: „Das große KI-Experiment der Allianz“ : https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/das-grosse-ki-experiment-der-allianz-accg-201094131.html)
Personalräte sind alarmiert
Das Personal an Schulen ist hier ebenfalls betroffen, auch wenn es sich um Beamtinnen und Beamte handelt, die einen Stellenverlust nicht befürchten müssen. Zwar steigen die Schülerzahlen laut KMK noch bis in die 30er Jahre etwas an, danach aber fallen Sie um 10%. In den ostdeutschen Flächenländern gibt es keinen Anstieg – nur Verluste. (https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_246_Vorausberechnung_Schueler_Abs_2024_2040.pdf)
Die demografische Dividende
Da nach Beginn des Lehramtsstudiums mindestens 6 Jahre bis zur Einstellung vergehen, stellt sich tatsächlich die Frage, ob es bei sinkenden Schülerzahlen noch ausreichenden Bedarf gibt, um ein Studium in 2026 zu beginnen. Bisher lautete die Antwort stets: Ja und die so genannten demografische Rendite, die sich aus den sinkenden Schülerzahlen bei gleichbleibender Zahl der Lehrkräfte ergibt, könnte für kleinere Klassen und individuellere Betreuung genutzt werden.
Künftig lautet die Antwort vielleicht: Nein, denn generative KI hat Aufgaben der Lehrkräfte effizienter gemacht und teilweise eigenständig übernommen. Daher werden gar nicht mehr gleich viele Lehrkräfte gebraucht wie heute, könnten Pessimisten annehmen.
Die Perspektive: Resilienz statt Re-Skilling
Diese finden im Aufsatz der in Oxford forschenden Ole Teutloff und Fabian Braesemann ausreichend Grund zur Sorge, denn dort wird aufgezeigt, wie generative KI auch komplexe Aufgaben in hochqualifizierten Bereichen ersetzen kann. Die Autoren sprechen hier Mediziner an, Lehrkräfte könnten aber genau so gemeint sein. (https://www.wirtschaftsdienst.eu/pdf-download/jahr/2025/heft/10/beitrag/resilienz-statt-reskilling-wie-ki-den-arbeitsmarkt-veraendert-und-wie-wir-darauf-reagieren-muessen.html)
Es geht also nicht nur um das stupide Korrigieren eines Vokabeltests, sondern beispielsweise um die Formulierung eines individualisierten Förderplans und die individuelle Diagnose von Lernschwierigkeiten. Die Autoren argumentieren, dass der Begriff des Re-Skilling, der in der Schule ja auch für die an die Schüler gestellten Anforderungen verwendet wird, hier nicht hilfreich ist: Weder für die Schülerinnen und Schüler noch für ihre Lehrkräfte ist heute klar, welche Fähigkeiten in einer Dekade erforderlich sein werden, weshalb gar kein Re-Skilling stattfinden kann. Lehrerfortbildung muss folglich stets nachsteuernd auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Die universitäre Lehre in noch viel stärkerem Maße.
3 Säulen einer Lösung
In Anlehnung an Teutloff und Braesemann lässt sich für die Schule schlussfolgern, dass eher Resilienz als Re-Skilling eine Antwort auf die Herausforderung der technologischen Revolution sein muss. Diese beruht laut der Autoren auf drei Säulen, von denen zwei im Schulwesen angelegt sind, eine nicht.
1. Kompetenz
Kritisches und analytisches Nachdenken über Lösungen statt deren automatisierbare Erarbeitung, ausgeprägte Lernfähigkeit und Eigeninitiative sollten im Fokus der Schule und Lehrerbildung stehen. Das lässt sich machen.
2. Sicherheit
„Um Wandel selbstbestimmt gestalten zu können, benötigen Menschen verlässliche soziale Sicherheiten“ – auch diese sind im öffentlichen Schulwesen ausreichend vorhanden.
3.Flexibilität
Hier geht es darum, auch in andere Tätigkeiten hineinzuwachsen, sich branchenübergreifend zu orientieren, sich über Berufsgrenzen weiterzuentwickeln und dabei Experimente zu wagen.
Diese dritte Säule gibt es im Schulwesen kaum, sie wäre noch zu entwickeln, damit das Konzept der Resilienz auch in der Personalentwicklung deutscher Schulen zukunftssichernd wirken kann. Auf zwei Beinen kann man zwar stehen, aber nur schwer, wenn ein Sturm kommt.
Vieles davon ist Sache der Bildungspolitik, aber nicht alles: Schulleitende können bereits neue Wege erproben und Aufgaben in der Schule rotierend verteilen, z.B. Verwaltungsaufgaben für ein Jahr statt für ein ganzes Berufsleben übertragen – die Möglichkeit einräumen, probeweise und unverbindlich in eine mittlere Führungsposition hineinzuschnuppern.
Schlussfolgerungen für die Personalentwicklung
Ersetzt künftig KI also fehlende Lehrkräfte?
Ja – auf jeden Fall diejenigen, die immer die gleichen Übungsaufgaben absolvieren lassen.
Kann man ein Lehramtsstudium heute überhaupt noch empfehlen?
Unbedingt, wenn Studierende in das oben beschriebene resiliente Mindset eingeführt werden.
Und wie verhalten sich Schulleitungen?
Sie gehen mit gutem Beispiel voran. Auch sie können viele Aufgaben übernehmen lassen und damit beispielsweise Zeit für strategische Planung oder Personalgespräche freimachen.


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