Grundlegend für eine gelingende Beratung ist die Berücksichtigung von Sicherheit, Sichtbarkeit und Struktur für die Beratenen. Das lässt sich auf vielfältige Weise herstellen, falls Erfahrung und Ausbildung ausreichend vorhanden sind. Hier aber ein Rezept für die Fälle, wo beides nicht der Fall ist.
Und: Eine Druckvorlage zur Verwendung im Gespräch.
Kontakt/Kontrakt als Grundlage
Wie gut ein Gespräch wird, entscheidet sich in den ersten Sekunden und Minuten. Blickkontakt, Mimik, authentische Aufmerksamkeit für das Gegenüber sind wichtig für die ersten 30 Sekunden. Vergessen Sie die anwesenden Prüfer, versuchen Sie mit der Aufmerksamkeit beim Beratenen zu sein und nicht bei sich und der eigenen Nervosität.
Stellen Sie Sicherheit her durch die Benennung des geplanten Zeitrahmens, des Anlasses, der geplanten Gesprächsphasen. Visualisieren Sie das durch die Druckvorlage. Tipp: Erfragen Sie vorher wenigstens ansatzweise ein Beratungsanliegen, auf das Sie in der Kontraktphase eingehen können: „Du hast ja gebeten, besonders auf XY zu achten, weil Dich dazu eine neue Perspektive interessiert – sollen wir bei diesem Punkt bleiben, oder welche weiteren Aspekte möchtest Du ansprechen?“ Falls ein Aspekt der Stunde tatsächlich misslungen war, ohne dass das angesprochen wird: „Du hattest ja gebeten……Mir ist wichtig, auch XY anzusprechen: Sollen wir das dann anschließen oder lieber zuerst besprechen?“

Inhaltsphase
Die Punkte 2-4 werden in Schleifen wiederholt, je nach Anzahl der zu besprechenden Punkte. In jedem Moment gilt es, die unterschiedlichen Wahrnehmungen des zu Beratenen ernst zu nehmen. Es darf nicht darum gehen, in der Beratung mit Wissen und Kompetenz zu überwältigen, sondern sie kann das Angebot einer anderen Sichtweise sein. Wirklich immer hilfreich ist der Ersatz des Wortes „Aber“ durch „Und“. Haben Sie schon einmal gezählt, wie oft Sie „aber“ sagen? Ein „Und“ macht es anderen Menschen viel leichter, sich auf eine abweichende Perspektive einzulassen, weil die eigene nicht als Gegensatz dargestellt wird.
Zielformulierung
Mindestens ein Ziel, höchstens drei Ziele sollen am Ende durch den/die Beratungsnehmende(n) formuliert werden: „Was denkst Du, würdest Du von den besprochenen Alternativen gerne als Nächstes ausprobieren?“ – könnte ein Impuls an dieser Stelle sein.
Abschluss / Ende
Genau so wie Kontakt/Kontrakt am Anfang ist der Abschluss eine unterschätzte Phase und dabei entscheidet sie darüber, wie alle Beteiligten das Gespräch in Erinnerung behalten. „Gut rauskommen“ ist hier das Motto. Wer fragt: „Wie fandest Du das Gespräch?“ bekommt als Antwort immer ein „Prima.“ – das wäre daher wirklich eine Notlösung. In einer Revision bietet es sich an, am Ende auch einfach Danke zu sagen, weil allen Beteiligten ja klar ist, dass es eine künstliche Situation unter Beobachtung war: „Ich möchte am Schluss noch etwas sagen: Dankeschön, dass Du mich durch Deinen Beitrag für diese Prüfung unterstützt hast. Möchtest Du noch etwas loswerden?“ Und dann: Auch hier sagt dann Körpersprache und Mimik mehr als Worte. Gut reinkommen – gut rauskommen gelingt am besten non-verbal.


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